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Zur Geschichte des Literarischen Forums Oberschwaben

 

Die Anfänge des Literarischen Forums Oberschwaben sind fast schon Legende. In ihren ersten Konturen Mitte der sechziger Jahre entstanden, gehört diese erstaunliche Einrichtung zu jenen Initiativen, die ganz im Gefühl des demokratischen Aufbruchs und einer wachsenden Rolle regionalen Selbstbewußtseins im Land enstanden. Der damalige Landrat Dr. Walter Münch, die Schriftsteller Martin Walser, Maria Müller-Gögler und Josef W. Janker, sowie einige Germanisten und Journalisten luden Anfang 1967 Schreibende und Literaturinteressierte aus Oberschwaben und darüber hinaus zu einer Begegnung ein, bei der im geladenen Kreis unveröffentlichte Texte vorgelesen und diskutiert werden sollten.

Zur Geschichte des Literarischen Forums empfiehlt sich die Lektüre des 1993 von Oswald Burger und Peter Renz herausgegebenen Bandes SPIELWIESE FÜR DICHTER (Edition Isele, ISBN 3-86142-005-8). Die folgenden Auszüge sind dem Beitrag von P. Renz, "Spielwiese für Dichter" entnommen:

"Das erste Literarische Forum Oberschwaben in Wangen im Januar 1967 war gleich ganz in jenem umfassenden Stil angelegt, wie Walter Münch sich das vorgestellt hatte: um "im Zeitalter der Automation dem Geist ein Primat zu sichern, wozu der Versuch einer Konfrontierung mit der aktuellen Politik gehört." So schön formulierte man damals die Rolle der Intellektuellen...
...Auch künftig waren die einzelnen Foren von vorne herein "multikulturell" angelegt: Kunstausstellungen und Konzerte gehörten schon seit 1967 immer wieder zum Programm; Höhepunkte waren unter anderem 1973 die Besichtigung des "Allgäuer Steinmals" bei Kisslegg-Hundhöfe, einer von Bildhauer Elmar Daucher im Auftrag von Landrat Walter Münch geschaffenen Plastik aus großen Steinblöcken in der Art der steinzeitlichen Circles an verschiedenen religiösen Kultstätten Westeuropas, - oder das Zusammentreffen der "Literaten im Zeichen des Bundschuhs" 1975 im Internationalen Kulturzentrum Achberg, bei dem der große Holzschneider HAP Grieshaber als "Reisender in Bauerkrieg" zu Gast war...

Das Projekt einer lebendigen kulturellen Auseinandersetzung zwischen Kunst, Politik und Gesellschaft, welches Walter Münch wohl immer als Ideal seiner Bemühungen vorschwebte, ist freilich (bislang) nur in Ansätzen gelungen. Vielleicht deshalb, weil die Literatur zunehmend radikalere Positionen vertrat und so mehr an der allgemeinen Negation des Bestehenden, als an ernsthafter Aufklärungs- und Entwicklungsarbeit in der Region interessiert war; vielleicht weil die Politik die geistige Auseinandersetzung um die besten Zukunftsvorstellungen zunehmend aufgab zugunsten einer Mentalität des Machbaren.

Was sich allerdings bewährte, in jedem Jahr den Kreis interessierter Teilnehmer erweiterte und immer mehr zum identitätsstiftenden Kern des Literarischen Forums wurde, war die Selbstverständigung der Autoren, das Werkstattgespräch. "Dichten ist ansteckend", bemerkte Gisela Linder in einem Bericht über das fünfte Forum, das in Bad Wurzach stattfand: "Wer bei früheren Zusammenkünften nur Zuhörer war, überrascht plötzlich mit eigener Produktion, wagt sich auf den ebenso begehrten wie gefürchteten Autorensessel."

 

Die Gunst der Öffentlichkeit

Wie lange immer auch ein Mensch im Stillen, in der Einsamkeit geschrieben haben mag, wie sehr auch immer er mit sich und seiner Sprache gerungen hat, zum Schriftsteller kann er erst werden, wenn er sich einer Öffentlichkeit stellt. Wenn auch mit zitternder Stimme und fliegendem Atem: Mit diesem Schritt erst erfüllt sich sozusagen sein Beruf.

Das Literarische Forum Oberschwaben hat diesen Hebammendienst immer schon als den wichtigsten Teil seiner Tagungen angesehen. Dabei geht es bis heute nicht nur um die "Entdeckung" literarischer Talente der Region oder um die Diskussion neuer literarischer Texte allein, - es geht immer auch um das Lebendighalten eines zutiefst demokratischen Vorgangs: der Stiftung von Öffentlichkeit. Diese ist auf dem Forum in dreierlei Weise gegenwärtig: einmal die engere Runde der arrivierten Autoren-Kritiker, meist langjährige Mitglieder der Forums, zum anderen das im Laufe der Jahre immer zahlreicher gewordene zuhörende Publikum aus Literaturinteressierten und in den letzten Jahren zunehmend auch Verlegern, welches sich durchaus punktuell an den Diskussionen beteiligt, und zu letzt die anwesenden Vertreter von Rundfunk und Presse, die den Ablauf und die Ergebnisse eines jeweiligen Treffens, die neuen und die bewährten Namen in ihren Medien kritisch würdigen. Die Rolle dieser "gestuften" Öffentlichkeit hat Walter Münch von Anfang an in die erfolgreiche Arbeit des Forums einbezogen. Teile dieser Medien wurden im Laufe der Jahre zum festen Bestandteil des Forums, so etwa die Redakteure der Landesstudios des Südwestfunks und des Österreichischen Rundfunks in Vorarlberg. Unter den vertretenen Tageszeitungen hatte die Schwäbische Zeitung von Beginn an eine Ausnahmerolle inne: Mit Gisela Linder und Wilfried Wild wurden zwei Redakteure der regional stärksten Tageszeitung gewissermaßen zur Institution innerhalb des Forums: In Personalunion nahmen sie rege teil an der literarischen Diskussion über die gelesenen Texte und berichteten anschließend über deren Ergebnisse im Feuilleton.

Gerade in der fast organischen Gestuftheit des Öffentlichen liegt die besondere Qualität des Forums als "Schonraum" für die Verletzbarkeit von Autoren, die sich noch auf dem Weg, oder gar erst am Anfang ihrer Entwicklung befinden.

 

Zeitgenossenschaft

Mit Martin Walser, Peter Hamm, Günther Herburger und vielen anderen arrivierten Schriftstellern gleichberechtigt ins Gespräch zu kommen, war und ist, wenn man den üblichen Literaturbetrieb in Deutschland vor Augen hat, für eine junge Lyrikerin, einen Nachwuchsromancier eine seltene Chance. Anerkannt zu werden wenigstens für einen oder zwei Tage als ernstzunehmender junger "Kollege", über dessen Manuskript ernsthaft diskutiert wird, kann einen nicht zu unterschätzenden Impuls für das eigene Schreiben auslösen.

Doch neben einer möglichen Ermunterung bot und bietet jedes dieser Schriftstellertreffen gerade für Anfänger die Gelegenheit, sich mit den aktuellen Positionen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur auseinanderzusetzen. Das kritische Gespräch über Texte ist ja immer auch ein Nachdenken über die Möglichkeiten, bisweilen auch Notwendigkeiten von Literatur in einer bestimmten Zeit. So spiegeln sich in der Geschichte des Literarischen Forums, in seinen Diskussionsthemen ein Stück weit auch die Schwerpunkte der allgemeinen deutschen Literaturdiskussion: Schon beim ersten Forum 1967 hatte Martin Walser das Rollenverständnis der Journalisten kritisiert, die ihre manipulative Macht nicht zugeben wollten.
...Es war die Zeit hitziger linker Streitkultur, die auch 1971 in Isny unter Beteiligung von Günter Herburger wieder aufflammte, als es um Privatheit und Indiskretion ging: als Kriterium für Literatur galt die gelungene Umsetzung der Realität, bei der die private Erfahrung einen ideologischen wie formbewußten sprachlichen Widerstand zu passieren hat. Noch programmatischer ging es 1972 in Großholzleute zu (wo immerhin schon etliche Jahre zuvor die Gruppe 47 getagt hatte).
...In den folgenden beiden Jahrzehnten änderten sich diese Positionen nicht nur im deutschen Feuilleton, sondern auch im Literarischen Forum Oberschwaben mehrfach: Die Rückbesinnung auf Subjektivität und Innerlichkeit in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, das Wiedererstarken engagierter Positionen für ökologische und Friedens-Themen in den frühen achziger Jahren, die Abarbeitung am Verlust der Utopien, Rückbesinnung auf die Klassik und die Versuche der Neuorientierung in der Gegenwart.

 

Kritik als Freundschaftsspiel

"Wer sich hier behauptet und bewährt, der braucht seine zukünftigen Leser nicht mehr zu fürchten", schrieb Gisela Linder, die kontinuierlichste Chronistin des Forums. Das klingt bedrohlicher als es gemeint ist, war es doch gerade die spezifische Form des kritischen, aber zumeist wohlmeinenden Gesprächs über die vorgelesenen Texte, die Neulingen immer wieder Mut machte.

Zweifellos ein schwieriges Geschäft für die Kritiker: Unmittelbar anschließend an die Lesung eines zuvor unbekannten Textes Stellung zu beziehen. Die Sekunden der Stille nach der Entblößung des Autors sind für die Zuhörenden nicht minder bedrückend. Eine erste Wortmeldung bringt die ersehnte Erlösung: Vorläufige Eindrücke zumeist, die Kritik muß erst Form gewinnen, auch sie setzt sich der geladenen Öffentlichkeit aus. Manche Urteile fallen zunächst etwas schroff aus, wie um erste Duftmarken zu setzen, gegen die dann vehemente Widerrede geführt werden kann...

...Wenn sich Kritik als eloquentes Kräfte-Spiel der Kritiker entfaltet, ist für den Vorlesenden schon viel gewonnen. Hilfreich dabei immer: die Entzündbarkeit am Text. Das Gelungene findet oft weniger Widerhall als das Unfertig-Vielversprechende. Kritik im Literarischen Forum versteht sich ja zuvorderst als Entdeckung, als Archäologie des noch nicht Entbundenen. Das Wichtigste: die da graben, sind selbst Autoren; sie beurteilen Texte auch und vor allem vom Schreiben her, von den Mühen, eine eigene Sprache zu finden fürs Sagbare.

Unschätzbar ist zudem ein Umstand, den man heute bei fast allen vergleichbaren Literaturgesprächen vermißt: Zur Sprache kommt in der Kritik der Forumsrunde nicht nur der aktuelle, gelesene Text, auch wenn er zweifellos im Vordergrund steht; zur Sprache kommt auch die Entwicklung des Autors, sein spürbarer Fortschritt in der oft mehrjährigen Arbeit an einem Text. Auch junge Autoren gelten hier bald als "Familienmitglied", dessen Heranwachsen kritisch-wohlwollend begleitet wird.

Auf dieser Grundlage gelingt zumeist ein Forumsgespräch, in dem sehr ernsthaft geredet werden kann, ohne den anderen zu verletzen, aber auch ohne in gefühliger Nähe die Argumente in falscher Kameraderie zu vernebeln. Davor schützt schon die sprach-stilistische Empfindlichkeit eines Armin Ayren und eines Klaus Nonnenmann, oder der sezierende poetische Feinsinn eines Werner Dürrson. Freilich, es gibt längst eingeschliffene Gesprächsrituale, wenn etwa Lokalmatador Martin Walser seine begeisternde Lust am Text zelebriert und sein jeweiliger Kontrahent reflexartig die strengen Anforderungen der Literatur dagegen ins Feld führt - oder umgekehrt. Ganz ohne show kommt auch diese Veranstaltung nicht aus. Unterhaltsam entkrampfend hält sie die Aufmerksamkeit wach und hilft manchem über die oft stundenlange Prozedur der "Gleichberechtigten, nicht Gleichgesinnten" (Münch) hinweg: "Hier verkehren Bundesliga und Kreisklasse ohne Schau und Kasse in wirklichen Freundschaftsspielen miteinander", staunte Willy Leygraf einmal.

Peter Hamm und Martin Walser bewährten sich vor allem als Schutzengel der leiseren Töne. Ihre Protektion der welthaltigen Erfahrung, die auch im (noch) nicht stilistisch geschliffenen Text zur Sprache kommen kann, hat...das Forum immer wieder rechtzeitig an seine Herkunft erinnert: nicht provinzielle Doublette der legendären "Gruppe 47" zu sein, sondern ein einzigartiges Kind der Region. Zu dem gehörte immer schon, sich vor allem über das Gelungene zu freuen. Beckmesserei ist verpönt. Man will am liebsten loben; doch auch wenn einmal alle lobten: Martin Walser lobte am schönsten.

 

Zauber des Debüts

Eine junge Lyrikerin wird aufgerufen, ein unbekannter Name, in der erwartungsvollen Stille des vollbesetzten Saals raschelt nur ihr Bündel Blätter in der Hand, indes sie rechts neben Walter Münch Platz nimmt, der seine Hand auf ihren bloßen Arm legt, als müsse er die errötende Elevin beruhigen und bezähmen zugleich; sein Gesicht neigt sich ihr zu, es weiß um den Trost wohlwollender Herzlichkeit, während er mit wenig Worten die Erwartung schürt: Was immer dann zu hören sein mochte, es nahm teil an dem kleinen Wunder, öffentlich zu werden. Solcher nahezu jedes Jahr wiederkehrender Augenblicke wegen mag das Forum für viele Teilnehmer zum unverzichtbaren Bestandteil ihres "literarischen Lebens" geworden sein.

Als sich im Mai 1970 die Forumsrunde in der Kreiskrankenpflegeschule in Leutkirch traf, traten drei Debütanten auf: Zum ersten Mal nahm der freilich damals längst arrivierte Günter Herburger an dem zweitägigen Vorlese- und Diskussionsmarathon teil, mit seinem druckfrischen Lyrikband "Training". Ihr zurückhaltendes literarisches Debüt gab auch Katharina Adler, die freilich den meisten schon aus ihren Arbeiten für den Rundfunk bekannt war: "Genaueres über Hohenesch", - mit dieser ganz am Schicksal ihrer authentischen Figuren interessierten Prosa setzte sie Maßstäbe für jede literarische Recherche, die ihren Gegenstand ernst nimmt bis zur praktischen Teilnahme.
Der bis dahin noch nie öffentlich aufgetretene dritte Debütant war Peter Renz. Auch dieses Forum, so berichtete Gisela Linder, "brauchte nicht auf den noch ungedruckten Unbekannten verzichten, der immer noch rechtzeitig den Glauben an einen diskutablen literarischen Nachwuchs in diesem Kreis nährt und damit nicht zuletzt die Lebensflamme des Forums schürt." Martin Walsers verführerisches Lob: "Ein Ton, der jünger ist als man selber". Solchermaßen als "Begabung" erkannt, blieb einem nichts anderes übrig, als an sich zu glauben.

Ähnlich erging es im Laufe der Jahre sicherlich vielen: den Lyrikern Peter Salomon, Uwe Michael Gutschhahn und Volker Demuth, den Lyrikerinnen Paula Reumont, Tina Stroheker und Gisela Kugler, den Prosaisten Evelyn Grill-Storck, Erika Dillmann, Hugo Berger, Wolfgang Duffner, Wolf-Heinrich Rindfleisch, Christoph Türck, Wolfgang Brenneisen und Hartmut Löffel, oder Sinasi Dikmen, dem in Ulm lebenden türkischen Satiriker, der 1981 in der Wangener Eselsmühle debütierte wie Katja Walterscheid, die als Lyrikerin großen Eindruck hinterließ.

Manche von ihnen gaben nur ein einmaliges Gastspiel, andere glänzten durch unerschütterliche Ausdauer. In manchen Jahren meldeten sich bestimmte Gegenden verstärkt zu Wort, wie etwa 1989 Vorarlberg mit Ulrike Längle, Ilga Weishäupl, Ricarda Bilgeri und der benachbarten Irene Nigg. Noch am Anfang seiner Karriere stand auch Gerhard Köpf, als er 1981 erstmals aus einem Manuskript "Die Bärenmarkenidylle" las und die anwesenden Kollegen mit seinem erzählerischen Talent ebenso überzeugte, wie ein Jahr später mit Proben aus dem Romanmanuskript "Die Strecke". Manche Gäste gaben dem Forum allein durch ihre kollegiale Anwesenheit Glanz, wie Thaddäus Troll, Carl Amery und HAP Grieshaber; manche lasen Manuskripte schon aus den ersten Druckfahnen, wie Stefan Keller seine journalistenpreisgekrönte literarische Reportage oder Robert Schneider seinen Erfolgsroman "Schlafes Bruder".

Viele lesende "Debütanten" des Literarischen Forums waren freilich in anderen literarischen "Szenen" längst bekannte Gesichter, die es sich dennoch nicht nehmen ließen, neue Manuskripte der "Feuerprobe" des Forums auszusetzen: Margarete Hannsmann, Werner Dürrson, Hermann Friedl, Irmela Brender, Armin Ayren, Manfred Bosch, Horst Brandstätter, Wolfgang Rohner Radegast, Hermann Kinder, Friedrich Hitzer, Harry Pross, Klaus Nonnenmann, Stefan Heidenreich, Reinhard Gröper, Hans Georg Bulla, Jochen Kelter, Peter Hamm und 1988 auch Hermann Burger, der mit einer Kostprobe aus dem "Brenner" ein atemberaubendes Sprachfeuerwerk vorführte.

 

Sternstunden des Forums

Entdeckungen gab es auf beinahe jedem Forum. Es lebte und lebt ja davon, sich jährlich zu erweitern, zu erneuern. Doch es gab zumindest zwei "Entdeckungserlebnisse", durch die das Forum weit über die Region hinaus Ausstrahlungskraft gewann: Das Auftreten von Maria Menz und, ein Jahrzehnt später, von Maria Beig. Anläßlich des Erscheinens der Gesamtausgabe der Gedichte von Maria Menz 1981 bekannte Martin Walser: "Als ich diese Dichterin vor zehn Jahren das erste Mal bei Dr. Münchs Oberschwäbischem Literatur-Forum lesen hörte, dachte ich: endlich einmal Pfingsten." Der "hohe Ton", den diese heute hochbetagte Lyrikerin in ihren religiösen Versen anstimmte, wie auch die erfahrungssatte und sprachbewahrende Kunst ihrer mundartlichen "oberlendischen Verse" ließen das Forum zum ersten Mal wirklich aufhorchen und nährten die Ahnung von der großen sprachlichen Begabung, die auch in dieser ländlichen Region schlummern konnte.

1980 fand das Forum in Weingarten statt, zu Ehren von Maria Müller-Gögler, deren vielbändige Werkausgabe mit zahlreichen Romanen, Erzählungen und Gedichten anläßlich ihres achtzigsten Geburtstages als eine Geschichte der "Menschwerdung auf oberschwäbisch" (Walser) vorgestellt wurde. Im Schatten des lebenslangen Werks dieser großen regionalen Autorin erhob sich die leise Stimme einer Erzählerin, die zum ersten Mal aus einem mit Bleistift geschriebenen Manuskriptheft vorlas. Sie hieß Maria Beig, und ihr Manuskript nannte sie "Rabenkrächzen": "Ein einzigartiges Buch. Ein Buch, als gebe es kein anderes, müsse nie ein anderes geben", schrieb der für solches Lob berufene Martin Walser in seiner ersten Notiz über diese Autorin. Es wurden inzwischen einige solcher Bücher mehr. Das Forum aber durfte glauben, diesem ersten Buch auf die Welt geholfen zu haben.

Die Entdeckung dieser beiden Autorinnen ganz besonders, aber auch viele andere Augenblicke der Entdeckung vor allem junger Autorinnen und Autoren geben dem Literarischen Forum Oberschwaben als einem "Freundeskreis" bis heute seinen eigentlichen Sinn."